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Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Schüler im Austausch mit Experten

„Arbeitszeit, Familienzeit, Freizeit – Wie stelle ich mir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Erziehung/Pflege) vor?“ – diese Frage stand am 20.09. im Zentrum einer Schul-Veranstaltung im Berufskollegs Beckum.

Zu dieser Veranstaltung hatte der Initiativkreis Wirtschaft Oelde e.V. im Rahmen der CSR-Woche des VDMA eingeladen. Unter der Moderation von Magdalena Hein (IWO) diskutierten Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs auf dem Podium mit Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft, Magdalena Münstermann (Bernd Münstermann GmbH & Co. KG) und Ludger Osterkamp (ExTox Gassmess-Systeme GmbH), des öffentlichen Dienstes, Herrn Martin Groneick (stellv. Schulleiter des Berufskollegs Beckum) sowie mit der Vertreterin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Frau Stefanie Baranski-Müller.

Adressaten der Veranstaltung waren Schülerinnen und Schüler des BKs, denen die Möglichkeit gegeben werden sollte, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Die allerdings größtenteils weiblichen Zuhörer erfuhren einiges, wie unterschiedliche Arbeitgeber familienfreundliche Arbeitsplätze organisieren und welche Möglichkeiten der Gesetzgeber eröffnet.

Auf dem Podium stellten Franka Rose und Izzek Bacak klar heraus, dass sie gerne zur Bundeswehr gehen möchten und vermutlich später Jobs haben werden, bei denen sich Kinder und Arbeit nur schwierig vereinbaren lassen. Während sich Izzek die Betreuung von Kindern „nicht mittelalterlich, sondern partnerschaftlich“ vorstellt, ist Franka sehr skeptisch und würde sich mit der Familienplanung eher noch Zeit lassen. In der Frage, ob sie sich schon bei ihrer Berufswahl und der Stellensuche Gedanken über eine Familienfreundlichkeit machen würden, waren sich die beiden darin einig, dass für sie der Berufswunsch zunächst Priorität hat obwohl die „Vereinbarkeit dann schwer, aber nicht unmöglich wird“, wie Izzek betonte.

Joline Frambach möchte später beides, Karriere und Kind. Allerdings würde auch sie das mit ihrem Partner zusammen gestalten wollen und in jedem Fall Hilfe von verlässlicher Kinderbetreuung in der KiTa in Anspruch nehmen. Bis vor der Veranstaltung hatte sie sich zwar noch keine Gedanken darüber gemacht, wird aber vermutlich nun bereits bei der Stellensuche auf die Familienfreundlichkeit eines potentiellen Arbeitgebers achten.

Olga Malek hingegen hat schon Kinder und stellte dar, wie sie es mit Hilfe ihres Partners, Eltern und einem Netzwerk von Geschwistern und Freunden schafft, ihrer Familie und dem Beruf gerecht zu werden. Eine verlässliche KiTa-Betreuung sieht sie als unbedingt erforderlich an.

Bei dem Thema Pflege und Betreuung von älteren Angehörigen waren die jungen Podiumsgäste alle bereit, Verantwortung zu übernehmen, allerdings konnten sie sich eine langfristige Pflege nur mit Hilfe einer Pflegeeinrichtung vorstellen.

Magdalena Münstermann kennt als Mutter von vier Kindern und Unternehmerin die Herausforderungen, Kinder und berufliche Tätigkeit zu vereinbaren, aus eigener Erfahrungen sehr gut. Sie hat einen ganzheitlichen Blick auf ihre Mitarbeiter und weiß, dass Eltern Zeit für ihre Kinder haben möchten und sie sich im Beruf nur gut fühlen, wenn sie diese gut untergebracht wissen. Da v.a. in Ausnahmesituationen, z.B. Krankheit eines Kindes, flexible und individuelle Lösungen benötigt werden, ist ihr die offene Kommunikation mit ihren Mitarbeitern sehr wichtig. Dabei ermöglicht die entsprechende Haltung der Führungskräfte und das kollegiale Miteinander der Mitarbeiter es, auf Probleme flexibel zu reagieren und ggf. auch zeitweise Arbeitsausfälle zu kompensieren.

Auch für Osterkamp ist das offene Gespräch mit den Mitarbeitern Voraussetzung für eine familienfreundliche Unternehmenskultur. Das gelingt u.a. deswegen, weil die Ernährung und Versorgung der Familien Mittelpunkt und erklärtes Ziel des unternehmerischen Handelns ist. Jeder Mitarbeiter ist eigentlich „Mitunternehmer“ mit seinem eigenen Arbeitsbereich und ohne Zeiterfassungssystem. Darüber hinaus wird er z.B. nicht nur an Personalentscheidungen, sondern auch am Unternehmensgewinn beteiligt. Faktoren, die zu einer hohen Identifikation der Belegschaft und Flexibilität bei individuellen Problemlösungen führen.

Beide Unternehmer beziehen auch die Kinder der Mitarbeiter in ihr Konzept ein. So sind diese in Osterkamp`s Unternehmen immer willkommen und bekommen damit nicht nur Einblicke in die Arbeitswelt ihrer Eltern sondern dürfen auch „mithelfen“ und bereichern mit ihrem „Andersdenken“ den Unternehmensalltag. Familienfreundlichkeit beinhaltet für Magdalena Münstermann auch, den Blick auf Schülerinnen und Schüler der Mitarbeiter zu richten, weswegen sie sich über die Vernetzung mit Schulen insbesondere für die Ausbildung auch schwacher Schüler einsetzt, was wiederum deren Familien zugutekommt.

Darüber, dass nicht in allen Unternehmen dieses hohe Maß an Familienfreundlichkeit erreicht wird, waren sich alle in der Runde einig. Deshalb riet Stefanie Baranski-Müller vom DGB den Schülerinnen und Schülern dazu, im Notfall eine Interessensvertretung zu gründen und sich gemeinsam für familienfreundliche Rahmenbedingungen einzusetzen, welche auch durch gesetzliche Maßnahmen (wie z.B. Elterngeld) flankiert werden, die sie kurz vorstellte. Wichtig war ihr zu betonen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht nur als Frauenthema zu sehen.

„Augen auf bei der Partnerwahl“ bemerkte Martin Groneick, stellv. Schulleiter des Berufskollegs, dazu und riet den Zuhörern, das Thema partnerschaftlich zu diskutieren. Er wies auch darauf hin, dass der öffentliche Dienst und insbesondere der Lehrerberuf eine ganze Menge an Möglichkeiten bietet, Kinderbetreuung oder Pflege flexibel zu organisieren. „Auch bei uns herrscht eine große Offenheit über die Bedarfe der Lehrerinnen und Lehrer und wir schaffen es meist, flexibel und mit hoher Akzeptanz des ganzen Kollegiums, darauf zu reagieren.“

Mit Blick auf die Perspektive für die Zuhörerschaft als zukünftige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bemerkte Ludger Osterkamp abschließend, der Chef muss die Idee und die Haltung haben. Wenn er die Vereinbarkeit ermöglichen will, dann kann das auch in größeren Unternehmen funktionieren. Und wenn es gar nicht klappt, dann empfiehlt er mit einem Augenzwinkern „Chef rausschmeißen oder selber eine Firma gründen“.

Frau Münstermann betonte zum Abschluss, dass Wirtschaft sich der Familie anpassen muss. „Eine reine Profit-Orientierung wird nicht dauerhaft gehen“. Die Mitarbeiter sollten aber auch couragiert mit dem Arbeitgeber über ihre familiären Erfordernisse sprechen. „Wir müssen unseren Blick immer wieder auf das schwächste Glied in der Kette, nämlich die Kinder, richten“.