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Qualitätssiegel

Mit der Verleihung des zdi-Qualitätssiegels 2019 wird anerkannt, dass sich die Partner des zdi-Netzwerks im Kreis Warendorf, gegründet am 5. Mai 2008, in besonderer Weise für die Förderung des naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchses in ihrer Region einsetzen.

Jacqueline Schütz: „Mich nervt dieses Mädchen-Thema!“

Frauen sind in den MINT-Berufen immer noch unterrepräsentiert. Deshalb gibt es zahlreiche Initiativen, darunter den Girls` Day, um Mädchen für den MINT-(Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) Bereich zu begeistern. Jacqueline Schütz musste man nicht begeistern, sie war von Anfang an Feuer und Flamme für MINT.

Jacqueline Schütz

Schon als Teenager hat sie es geliebt, Zeit mit Lego Mindstorms zu verbringen und damit Roboter zu konstruieren und zu programmieren. Die 2013 ins Leben gerufene Roboter AG war damit wie für sie gemacht. Jeden Freitagnachmittag treffen sich 20 Schülerinnen und Schüler aller Oelder Schulen und beschäftigen sich mit Aufgaben rund um Roboter. Am Ende der AG müssen die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gebaute Roboter dann einen Parcours bewältigen. Die Roboter AG 2018/2019 stand ganz unter dem Motto „Naturgewalten“, dort mussten Roboter gegen Wirbelstürme, Hurricans, Feuer, Überschwemmungen oder auch Erdbeben kämpfen und Menschen und Tiere retten.

Erstmals seit Beginn der AG war Jacqueline Schütz diesmal nicht beim großen Finale dabei, denn seit dem Wintersemester studiert die 18-Jährige Bauingenieurswesen an der TU Dortmund und ausgerechnet Freitagnachmittags war im zweiten Semester eine Vorlesung angesetzt.

Jacqueline hat lange mit sich gerungen, was sie nach ihrem Abitur machen soll, hatte auch mit einer Ausbildung geliebäugelt, denn auch die Praktika als technische Produktdesignerin bei der Ventilorenfabrik Oelde und als Chemielaborantin bei ThyssenKrupp industrial solutions in Neubeckum hatten ihr gefallen, durch die Roboter-AG, für die sie auch lange als Betreuerin tätig war, hatte sie zudem Kontakte zur GEA Westfalia Separator. Letzten Endes hat sie sich dann für ein Studium entschieden. Die Wahl fiel dann letzten Endes auf Bauingenieurwesen, weil sie die Vielfältigkeit des Studiengangs überzeugt hat und sie damit viele Auswahlmöglichkeiten für ein mögliches Masterstudium hat. Bisher ist sie mit ihrer Entscheidung zufrieden, auch wenn es der Mathematik-Part in sich hat, aber die erste Mathe-Klausur hat sie bestanden.

Besonders die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern hat Jacqueline in der Roboter AG großen Spaß gemacht

Hier ist sie im Gespräch mit Michael Breitmeyer von der GEA Westfalia Group GmbH und gleichzeitig auch Vorstandsmitglied des Initiativkreises Wirtschaft Oelde e.V. (iwo), der stets die Siegerung bei der Roboter AG übernimmt

Am besten auf das Studium vorbereitet hat sie ihren Aussagen nach der Technik-Unterricht am Thomas-Morus-Gymnasium bei Techniklehrer Dirk Hanke. Rückblickend lobt sie vor allem dessen Engagement: „Wir konnten Herrn Hanke immer um Hilfe bitten, er hat immer eine Lösung gefunden.“ Auch bei der Roboter AG geht es darum, kreativ nach Lösungen zu suchen. Trainer Jakob Kesler hat die jungen Techniker immer wieder aufs Neue ermutigt, nie aufzugeben – für Jacqueline ebenfalls ein Schlüsselerlebnis: „Am Anfang ist mir das sehr schwer gefallen, aber am Ende habe ich gemerkt, dass es immer einen Weg gibt.“ Die Arbeit in der Roboter AG – zunächst als Teilnehmerin und später als Betreuerin der Kinder – hat ihr so viel Spaß gemacht, dass sie sogar in die Roboter-Forschung gehen wollte, hat diese Idee dann aber hinten angestellt, weil sie die Robotik gerne als ihr Hobby behalten wollte. „Ich setze mich einfach gerne hin und baue etwas.“ In der Forschung wäre diese Ungezwungenheit vielleicht verloren gegangen.

Im Bauingenieurstudium und auch in der Roboter AG und im Technikunterricht sind die Mädchen deutlich in der Unterzahl: „Das hat mich und auch die anderen aber nie gestört“, erklärt sie. In Sachen MINT ist die Studentin das klassische Vorbild aber die Oelderin hat nicht nur MINT im Kopf: Ballett ist eine weitere Leidenschaft von ihr. Und vielleicht sind ihr deshalb jegliche Rollen-Klischees ein Graus: „Mich nervt dieses Mädchen-Thema. Ich will nicht herausgestellt werden, nur, weil ich ein Mädchen bin, sondern, weil ich etwas gut kann und mache.“ Nimmt man Jacquelines bisherigen Werdegang dennoch als Modell, wird deutlich: Man muss Mädchen nicht explizit für MINT begeistern, sondern man braucht Lehrer, die Schülerinnen und Schüler begeistern können, und ein Umfeld wie der Technikunterricht und die Roboter AG, in dem die Begeisterung ausgelebt werden kann.